Nach unserer Woche auf Orkney (siehe unser Beitrag) ging es immer weiter auf der NC500 durch die schottischen Highlands und am Atlantik entlang.
Ganz im Norden – Wilde Küste und einsame Strände
Zwischen Thurso und Ullapool zeigt sich die North Coast 500 von ihrer wildesten und ursprünglichsten Seite. Schroffe Klippen, einsame Strände und endlose Moorlandschaften wechseln sich ab. Man fährt weitestgehend über eine Single-Track-Straße, die ihrem Namen alle Ehre macht: Sie ist gerade so breit, dass ein Auto darauf Platz hat. Zum Glück gibt es genug Ausweichstellen (Passing Places).
Den extrem abgelegenen Leuchtturm und den dort liegenden Geocache am Cape Wrath (Google Maps) konnten wir leider nicht besuchen, da die Royal Army auf der Halbinsel gerade eine Truppenübung (active firing!) durchführte.
Hier, auf einem abgelegenen Parkplatz mitten im Nirgendwo, trafen wir Alex und Chris (Youtube: Everlong Vanlife), die die NC500 in entgegengesetzter Richtung unterwegs waren. Kennengelernt hatten wir die beiden gut 3.000 km weiter südlich in Spanien.
Smoo Cave
Ein kleines Highlight auf der einsamen Strecke war die Smoo Cave, in die man über viele Treppenstufen und einen Holzsteg gelangt. Das Spektakuläre: Im hinteren Teil der Seehöhle stürzt ein Wasserfall hinab und bildet einen kleinen See.
Westküste – Midges und Regen
An der Westküste merkten wir deutlich den Atlantikeinfluss: Es regnete mehr, und uns begegneten auch die ersten Midge-Schwärme.
An einem Abend am Loch Maree (Google Maps) war unser Auto von Midges völlig umschwärmt, sodass wir keinerlei Fenster öffnen wollten oder konnten. Wir hatten schon genug mit den Midges zu kämpfen, die es doch irgendwie in unsere Sunny geschafft hatten.
Ullapool und die Corrieshalloch-Schlucht
Ullapool ist die nächstgrößere Stadt, in der wir auch wieder unsere Vorräte auffüllten. Etwas außerhalb machten wir dann noch an der Corrieshalloch-Schlucht Halt. Von einer wackeligen Hängebrücke aus hat man einen tollen Blick auf die enge Schlucht und den Wasserfall.
Wenn man von Ullapool aus der NC500 folgt (und nicht die Abkürzung über die A835 nimmt), fährt man noch etwa 100 Meilen durch die schottische Einsamkeit. Man kommt an vielen schönen Buchten und Aussichtspunkten aufs Meer vorbei und gelegentlich an kleineren Ortschaften.
History Fact: Im 2. Weltkrieg sammelten sich in der Bucht Loch Ewe die „Arctic Convoys“, die kriegswichtige Nachschubgüter nach Murmansk und Archangelsk in die Sowjetunion brachten. Die Bucht ist ein natürlicher Tiefwasserhafen, der von Bergen umgeben ist, die mit Flugabwehrstellungen bestückt waren.
Applecross Pass: Die spektakulärste Straße Schottlands
Von der Passstraße, die über den Bealach na Bà (Google Maps) führt, hatten wir schon als „gefährlichste Straße Schottlands“ gehört.
Wir stärkten uns also noch einmal in dem kleinen Örtchen Applecross (Google Maps) mit Fish & Chips und fuhren die steile Single-Track-Road hinauf auf 626 Meter. Von dem Parkplatz, auf dem wir auch übernachteten, hat man eine wirklich tolle Aussicht. Am Horizont konnte man schon die Isle of Skye sehen.
Auf dem Weg hinab muss man einige Serpentinen bezwingen, und natürlich hat die Straße wieder nur eine Spur. Im Tal warnt sogar ein Schild, dass die Straße „nichts für Fahranfänger und große Fahrzeuge“ ist.
Ja, die Straße ist eng und steil, aber mit einem 6-m-Kastenwagen gut befahrbar. In Italien und Spanien sind wir durchaus schon anspruchsvollere Straßen gefahren.
Bei Lochcarron biegt die NC500 nach Inverness ab – wir fuhren aber weiter am Loch entlang Richtung Isle of Skye.
Die NC500 – ein Fazit
Die NC500 ist wirklich eine besondere Schottland-Erfahrung: Es gibt jede Menge Naturschauspiele, Schlösser und Aussichten zu entdecken, aber auch Highland-Einsamkeit und raues Wetter.
Besonders schön fanden wir den Ostteil der Strecke zwischen Inverness und Dunnet Head (siehe unser Blogbeitrag). Der Nord- und Westteil der NC500 war einsam und wildromantisch, aber wir würden diesen Abschnitt nicht noch einmal fahren.
NC500 Tipps
Reisedauer
In vielen englischen Blogs wird geraten, die 830 km der NC500 in 6 oder 7 Tagen zu machen. Das ist in unseren Augen ganz schön schnell, da auf den Landstraßen zwar 60 mph (ca. 96 km/h) erlaubt sind, man als Ortsfremder auf den Single Tracks aber oft nur mit maximal 50 km/h vorankommt (oder vorankommen möchte). Außerdem benötigt man noch Zeit für Aussichtspunkte, Fish-&-Chips-Stopps und die eine oder andere Wanderung.
Wir haben inklusive 5 Tagen auf Orkney insgesamt 18 Tage zwischen Inverness und Lochcarron auf der NC500 verbracht. Unsere Route kann man hier nachverfolgen.
Midges
Ende Mai/Anfang Juni hatten wir relativ wenig Probleme mit Midges, die vor allem bei Windstille und im Inland auftraten. Es gibt sogar eine Webseite zur Midge Forecast.
Gasversorgung – für alle Camper mit Gastank
Die einzigen LPG-Tankstellen auf der NC500 befinden sich bei Evelix (Google Maps) und Ullapool (Google Maps). Dazwischen gibt es auf 430 km keine Möglichkeit, LPG zu tanken. Für uns hat das gut gereicht.
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